Der Blob aus dem Film von 1958 vs. der echte Blob: Wissenschaft vs. Fiktion
Das Blob-Monster aus dem Film von 1958 prägte die Popkultur mit seinem geleeartigen, Menschenfressenden Alien. Der echte Blob (Physarum polycephalum) hat damit nichts zu tun. Amüsanter Vergleich.
Hast du schon vom Blob aus dem Film von 1958 mit Steve McQueen gehört? Dieses gelatineartige Alien, das eine amerikanische Kleinstadt verschlingt? Nun, unser Physarum polycephalum hat damit fast nichts zu tun – aber daher stammt sein Spitzname. Popkultur-Check + Wissenschaft.
Warum heißt der Blob „Blob“?
Der Spitzname „Blob“ für Physarum polycephalum stammt direkt vom amerikanischen Horrorfilm von 1958, The Blob, in dem ein rosse-rotes, gelatineartiges Alien aus dem Weltraum die Bewohner einer Kleinstadt verschlingt. Der Begriff war bereits vor 2019 im Französischen gebräuchlich, bevor er zum gängigen Begriff für die breite Öffentlichkeit wurde.
Der Film The Blob (1958) in 30 Sekunden
Die Geschichte
Ein Meteorit stürzt in der Nähe von Phoenixville in Pennsylvania ab. Darin: ein zunächst kleines außerirdisches Gelée, das beginnt, alles zu absorbieren, was es berührt – Hunde, Menschen, Kinoprojektionisten. Die Kreatur wächst, während sie frisst. Steve McQueen, damals ein junger Schauspieler, rettet die Stadt, als er entdeckt, dass Kälte sie lähmt.
Kulturelle Wirkung
- Budget: für die damalige Zeit sehr bescheiden – eine Independent-Produktion, weit entfernt von den Standards der großen Studios
- Einnahmen: mehrere Millionen Dollar – ein Erfolg für die damalige Zeit
- Remake: 1988 (modernisierte Spezialeffekte)
- Einfluss: ein Archetyp der gelatineartigen Kreatur, der in zahlreichen Filmen und Serien aufgegriffen wurde
„Beware of the Blob!“ – Titelmelodie des Films von 1958
Der echte Blob: Physarum polycephalum
Der echte Blob ist ein riesiger einzelliger Organismus aus der Übergruppe der Amoebozoa, der in den feuchten Wäldern der ganzen Welt lebt. Seine Verwandtschaftslinie ist sehr alt – die Amoebozoa gehen nach molekularen Uhren auf mehr als eine Milliarde Jahre zurück – selbst wenn das Alter der Art selbst unbestimmbar bleibt: Myxomyceten fossilieren so gut wie nie. Er wurde erstmals wissenschaftlich von Lewis David von Schweinitz im Jahr 1822 beschrieben – also lange vor dem Film.
Eukaryota › Amoebozoa (Übergruppe) › Evosea › Eumycetozoa › Myxogastria (Klasse) › Physarales › Physaraceae › Physarum › P. polycephalum. Zu beachten: Die moderne Klassifikation verzichtet auf die Linneischen Ränge – Amoebozoa ist also keine „Reichs“-Klasse, sondern eine Übergruppe. Der heute anerkannte Name ist Myxogastria; „Myxomyceten“ bleibt ein weitverbreiteter traditioneller Synonym.
Quelle: Adl, S.M. et al. (2019). Journal of Eukaryotic Microbiology, 66(1), 4-119.
Vergleich: Film vs. Realität
| Kriterium | Der Blob (1958) | Der echte Blob |
|---|---|---|
| Farbe | Rosse-rot | Neon-gelb (manchmal orange) |
| Herkunft | Außerirdischer Meteorit | Feuchte Wälder der Erde |
| Max. Größe | Mehrere Meter | Kann sich unter günstigen Bedingungen weit auf seinem Untergrund ausbreiten; in deiner Box rechne mit wenigen Zentimetern |
| Futter | Menschen, Hunde | Haferflocken, Pilze, Bakterien |
| Geschwindigkeit | Jagt Menschen | Einige Millimeter bis einige Zentimeter pro Stunde |
| Gehirn | Feindselig, zielgerichtet | Keines, löst aber Probleme (Nakagaki 2000) |
| Schwäche | Kälte | Trockenheit + UV |
| Geschlechter | 1 (einzelne Kreatur) | 720 Geschlechtsformen (Kawano et al. 1987) |
| Gefährlichkeit | Tödlich im Film | Keine menschlichen Infektionen in der Literatur beschrieben |
Die wahren wissenschaftlichen Inspirationen des Films
Damals (1958) ließen sich die Drehbuchautoren Theodore Simonson und Kay Linaker von Folgendem inspirieren:
- Den Schleimpilzen (Slime Molds), die den Biologen bereits bekannt waren
- Der Paranoia des Kalten Krieges und der Angst vor außerirdischen Invasionen
- Den am Mikroskop beobachteten Riesenzellen
Der Film ist also tatsächlich von den Myxogastria (der Gruppe des Physarum, die besser unter dem traditionellen Namen Myxomyceten bekannt ist) inspiriert, aber sie wurden zur Erzeugung von Angst extrem karikiert.
Warum hält sich dieser Mythos?
Drei psychologische Gründe:
1. Die Angst vor dem Formlosen
Ein formloser Organismus, der sich ständig verändert, löst eine ursprüngliche Ekelreaktion aus – die menschliche Abneigung gegen alles, was keine klare „Struktur“ (Gesicht, Gliedmaßen usw.) hat. Der Blob erfüllt dieses Kriterium.
2. Die Angst vor der Übernahme
Der Film nutzt die Angst vor einem unaufhaltsamen Eindringling. Keine Waffe, kein Verhandeln möglich. Die gleiche Mechanik wie bei Alien oder Body Snatchers.
3. Die verstörende Farbe
Das gelatineartige Rosse-Rot erinnert an Fleisch, Blut und innere Organe – an Dinge, die man nicht sehen sollte. Der echte Blob ist neon-gelb, was viel besser ankommt.
Der Blob in der modernen Popkultur
Kino & Serien
- The Blob (1958) – das Original, dem unser Myxomycet seinen Spitznamen verdankt
- The Blob (1988) – Remake mit ehrgeizigen Spezialeffekten
- Das „Slime“-Subgenre – eine ganze Reihe von Filmen über gelatineartige Kreaturen
Videospiele
- de Blob (THQ, 2008-2011) – gelatineartige Figur, die ihre Welt einfärbt
- Pikuniku – rundes Hauptcharakter
Als der echte Blob in die breite Öffentlichkeit kam
- Parc Zoologique de Paris, Oktober 2019 – der Moment, in dem der Blob aus den Laboren hervortrat und zum Gesprächsthema wurde: Ein Park des Muséum national d'Histoire naturelle machte ihn der Öffentlichkeit zugänglich, und die Presse berichtete massiv darüber
- The Creeping Garden (2014) – britische Dokumentation, die sich ausschließlich den Myxomyceten und denjenigen widmet, die sie jagen
- „Éleve ton blob“ (CNES, 2021) – die pädagogische Aktion, die Tausenden französischen Schülern einen Blob in die Hände gab
Der echte Blob ist interessanter als der Film
Ehrlich gesagt übertrifft die echte Wissenschaft die Fiktion:
- 720 Geschlechtsformen gegenüber nur einer Kreatur im Film – keine „Geschlechter“ im tierischen Sinne, sondern Typen von Kompatibilität: matA (16 Allele) × matB (15) × matC (3) = 720 (Kawano, S., Kuroiwa, T., Anderson, R.W., 1987, Journal of General Microbiology, 133(9), 2539-2546) 🎯
- Externes Gedächtnis: Er vermeidet bereits erkundete Bereiche dank der Schleimspuren, die er hinterlässt – eine Art chemischer Ariadnefaden (Smith-Ferguson, J., Reid, C.R., Latty, T., Beekman, M., 2017, Journal of Physics D) 🧠
- Löst ein Labyrinth in wenigen Stunden, indem er die beiden Nahrungsquellen mit einem effizienten Pfad verbindet (Nakagaki et al., Nature, 407, 470, 2000) 🧭
- Rekonstruktion des Schienennetzes der Region Tokio in 26 Stunden mit einer Effizienz, die dem echten Netz vergleichbar ist (Tero et al., Science, 2010) 🚦
- Reise zur ISS im Jahr 2021, geweckt von Thomas Pesquet – viel cooler als der Film 🚀
„Der echte Blob frisst keine Menschen. Er löst einfach ohne Gehirn Optimierungsprobleme, die Mathematiker beschäftigen.“
Du kannst den echten Blob adoptieren (nicht den aus dem Film)
Keine Sorge: Im Gegensatz zum Film ist der echte Blob laut wissenschaftlicher Literatur mit keinerlei menschlichen Infektionen in Verbindung gebracht und steht auf keiner europäischen Liste von biologischen Gefahrstoffen. Bisher sind weder Allergene noch Toxizität bekannt – allerdings ist er nicht essbar, und man wäscht sich nach der Handhabung die Hände, wie bei jeder Kultur. Und nichts Spitzes in der Box: Unsere Kits enthalten eine Pinzette und Spatel, niemals eine Klinge.
FAQ — Der Blob, Film vs. Realität
Ist der Film The Blob von 1958 wissenschaftlich glaubwürdig?
Nein. Es ist ein Horrorfilm, der die Ängste der 50er Jahre ausnutzt. Kein auf der Erde bekannter Organismus ähnelt der Kreatur aus dem Film. Die Drehbuchautoren ließen sich jedoch von den Myxomyceten inspirieren – der Gruppe des echten Blobs.
Kann der echte Blob so groß werden wie im Film?
Nicht so groß, aber trotzdem beeindruckend. In der Natur kann sich ein einziges Plasmodium unter günstigen Bedingungen weit auf seinem Untergrund ausbreiten – auf einem abgestorbenen Baumstamm, einem Baumstumpf oder einer Laubschicht. Bei dir zu Hause wird es in einer Petri-Schale nur wenige Zentimeter weit werden – und das ist schon sehr schön anzusehen.
Wo hat die breite Öffentlichkeit den echten Blob entdeckt?
Der große Wendepunkt war Oktober 2019: Der Parc Zoologique de Paris machte den Blob der Öffentlichkeit zugänglich, und das Thema ging durch die französischen Medien. Zwei Jahre später brachte die Aktion „Éleve ton blob“ des CNES einen in fast 2.000 Klassen in Frankreich. Im Dokumentarfilmbereich bleibt The Creeping Garden (2014) ein schöner Einstieg in die Welt der Myxomyceten.
